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Australian Shepherds of AustriaÖsterreichischer Kynologenverband
 

 
Hüten mit dem Aussie

Grundlegendes:
Große Schafherden sind in Europa sehr selten geworden. Heute werden Schafe nicht mehr frei getrieben, sondern werden meist in eingezäunten Bereichen gehalten. Dementsprechend sind auch die Anforderungen an den Hütehund in Europa, er muß Schafe auf Kommando heranbringen, einzelne Tiere aussondern, die Herde von einer Koppel auf eine andere treiben können etc. Die Ausbildung zum fertigen Hütehund ist nicht einfach und dauert dementsprechend lange.

Die Instinkte des Hütehundes ähneln jenen des jagenden Wolfes, der Hütetrieb unserer Hunde leitet sich vom Hetztrieb des Wolfes ab. Im Wolfsrudel verhindern die Mitglieder des Rudels das Weglaufen des Beutetieres durch Umkreisen. Sie treiben das Beutetier einem geeigneten, starken Wolf zu, der die Beute dann schlussendlich tötet. Dieses Verhalten hat sich der Mensch zu Nutze gemacht. Durch Selektion wurde erwünschtes Verhalten weiter verstärkt. Der Beutetrieb ist bei Hütehunden soweit vermindert, dass es nicht mehr zum abschließenden Töten kommt.

Die typischen Verhaltensweisen eines Hütehundes sind angeboren und müssen nur noch in die von uns gewünschten Bahnen gelenkt werden. Die Fähigkeit des Hundes selbständig zu arbeiten, soll dabei nicht behindert, sondern gefördert werden. Der Hütetrieb selbst ist nur bedingt beeinflussbar und muß schon beim Welpen ausreichend vorhanden sein, um ihn zu einem erfolgreichen Hütehund ausbilden zu können. Zu welchen Leistungen ein Hund fähig ist, hängt weitgehend von seinen ererbten Eigenschaften ab. Ob ausreichend Hüteinstinkte bei einem Welpen vorhanden sind, ist allerdings nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Ein lebhafter, selbstsicherer und lauffreudiger Aussiewelpe bringt allerdings schon mal sehr gute Voraussetzungen mit. Die eigentliche Hütebegabung erkennt man erst später beim älteren Hund.

Hüten mit dem Aussie:
Der Australian Shepherd ist ein ausgezeichneter Hütehund, der auch heute noch bei der Arbeit mit Schafen und Rindern eingesetzt wird. Seine Arbeitsweise ist eine enge, d.h. er geht relativ nahe an die Herde heran (im Unterschied zum Border-Collie z.B.). Der Aussie arbeitet sehr energisch, er benötigt bei der Arbeit mit Rindern auch jede Menge Durchsetzungsvermögen. Die meisten Aussies arbeiten ohne "eye", es gibt allerdings auch einige, die "eye einsetzen. Hier noch einige Erklärungen über "Eye": "Strong eyed" sind Hunde dann, wenn sie die Herde in geduckter Haltung, einer fast liegenden Stellung, durch Anstarren kontrollieren (bekannt durch die Haltung der Border Collies). "Medium Eyed dogs" starren die Herde an, behalten aber ihre stehende Stellung bei. "Loose eyed dogs" sind Hunde, die ohne Anstarren arbeiten. Diese verschiedenen Arbeitsweisen sagen allerdings nichts über die Hütequalitäten der Hunde aus. "Loose eyed dogs" arbeiten genauso gut wie "strong eyed dogs", nur eben anders. Manchmal ist das Anstarren der Herde auch überflüssig, weil sich die Tiere davon nicht beeindrucken lassen (z.B. bei Rinderherden der Fall).

Hier noch einige Spezialausdrücke beim Hüten mit dem Aussie:
Beim Training mit dem Aussie unterscheidet man zwischen "gathering" und "driving". Beim "gathering" treibt der Hund die Schafe auf den Hundeführer zu, beim "driving" treibt der Aussie die Schafe vom Hundeführer weg. Unerfahrene Hunde zeigen oft beides. Es ist vorteilhaft, wenn der Hund beide Treibarten beherrscht. Geübt wird allerdings zuerst das Zutreiben der Schafe zum Hundeführer. Manchen Aussies genügt es nicht, die Herde nur von hinten zu treiben. Sie versuchen an die Spitze der Herde zu gelangen und wollen sie auch von vorne kontrollieren ("heading aussies").
Die Pendelbewegung, die die Aussies unterschiedlich stark beim Vorwärtstreiben der Herde ausführen, um sie zusammenzuhalten, bezeichnet man als "wearing".

Erste Schritte:
Man beginnt also mit dem jungen Aussie zuerst das "gathering", das Heranbringen der Herde zum Hundeführer, zu üben. Wenn ein Aussie etwa im Alter von 9 - 12 Monaten Arbeitswillen zeigt (man sollte nicht zu früh mit dem Hütetraining beginnen) und die Basiskommandos wie Herankommen auf Zuruf und Hinlegen beherrscht, kann man ihn mit der Herde bekannt machen. Welche Tiere man wählt, - gebräuchlich sind bei den Aussies Schafe, Rinder und Enten -, hängt vom Temperament des Hundes und den Möglichkeiten des Hundeführers ab. Man sollte für den Anfang möglichst Tiere wählen, die sich vom Hund leicht bewegen lassen und die von selbst Herden bilden. Man beginnt mit dem jungen Aussie möglichst mit wenigen Tieren aufeinmal (ideal sind z.B. 5 - 10 sanfte Schafe) auf einer kleineren, umzäunten Fläche, wo man den Aussie leichter unter Kontrolle bekommen kann, zu üben. Hat er dort einmal die Grundlagen erlernt, kann man später dazu übergehen, auf einem großen Areal zu arbeiten. Es versteht sich von selbst, dass beim Training immer die gleichen Kommandos verwendet werden müssen. Positive Motivation mit viel Lob ist die Grundlage für den Erfolg.

Beim Hütehundetraining mit dem Aussie wird üblicherweise ein dünner, längerer Stock verwendet, er dient der besseren Verständigung zwischen Hund und Hundeführer. Idealerweise sollte die Herde zu Beginn des Trainings ruhig in der Mitte des Trainingsplatzes stehen und nicht am Zaun. Wenn die Herde am Zaun steht, treibt der Hundeführer die Herde selbst etwas vorwärts und hält seinen Aussie an seiner Seite zwischen sich und dem Zaun. Wenn sich die Herde in Bewegung gesetzt und sich etwas vom Zaun wegbewegt hat, wird der Aussie losgelassen. Der Hundeführer geht rückwärts in die Mitte der Trainingsfläche. Der Aussie sollte durch den entstehenden Zwischenraum zwischen Herde und Zaun laufen und dadurch die Herde in Richtung Mitte treiben. Der Hundeführer geht dabei selbst rückwärts. Der Aussie ist hinter der Herde und treibt sie von dort zum Hundeführer. Der Hund darf nicht durch die Herde durchlaufen oder die Herde vom Hundeführer wegtreiben.

Wenn der Aussie zur Spitze der Herde laufen will, benutzt der Hundeführer den Stock, um ihn davon abzuhalten. Er berührt damit kurz den Boden, um den Aussie dazu zu veranlassen, wieder nach hinten zu laufen. Manchmal ignoriert ein junger Aussie auch den Stock und läuft nicht wieder hinter die Herde, sondern läuft zwischen Hundeführer und die Herde. Der Hundeführer geht dann wieder auf die andere Seite der Herde, damit die Herde wieder zwischen ihm und dem Aussie ist. Wenn es chaotisch wird und die Situation droht, außer Kontrolle zu geraten, kann man den Aussie mit einem Kommando ablegen. Wenn man ihn so nicht unter Kontrolle bekommt, kann man ein dünnes Seil an sein Halsband anhängen, damit man ihn in diesen Situationen zurückhalten kann.
Der Aussie sollte sich idealerweise in einer 12.00 Uhr-Position vor dem Hundeführer hinter den Schafen befinden. Wenn der Aussie zu nahe an die Schafe herankommt und versuchen sollte, sie auseinanderzutreiben, klopft man mit dem Stock auf den Boden und hält ihn so auf Abstand. Anschließend schickt man ihn mit einem Kommando wieder auf seinen Platz hinter die Herde.

Es kann sein, dass der junge Aussie, wenn er die Schafe sieht, erst einmal alle Kommandos vergisst, die er bisher gelernt hat. Er wird vielleicht die Schafe jagen wollen, mitten durch die Herde durchlaufen und sie auseinanderjagen, bellen, sie beißen wollen. Manche Aussies nähern sich erst einmal langsam und vorsichtig den Schafen. Vielleicht zeigt ein Aussie allerdings auch wenig oder gar kein Interesse an den Schafen. Dann kann der Hundeführer die Herde selbst ein wenig vorantreiben und den Hund mit einem zischenden Geräusch dazu ermutigen, auf die Herde zuzugehen. Diese ersten Versuche mit dem jungen Aussie müssen kurz, max. 5 - 10 Minuten, gehalten werden, um den Hund nicht zu überfordern.

Ziel dieser Übung ist, dass der Hund lernt, die Schafe in angemessenen Tempo hinter dem Hundeführer herzutreiben und dabei etwaige Richtungsänderungen des Hundeführers selbstständig ausgleicht. Dazu muß der junge Aussie lernen, die Fluchtdistanz der Herde richtig einzuschätzen. Er muß auch lernen den Balancepunkt der Herde zu finden, um sie dem Hundeführer in möglichst gerader Linie zutreiben zu können. Der Balancepunkt einer Herde ist idealerweise die 12.00-Uhr-Position, allerdings nur wenn Hundeführer, Herde und Hund in einer geraden Linie zueinander stehen. Wenn die Schafe in eine Richtung ausweichen, muß der Hund selbstständig den neuen Balancepunkt suchen. Dabei darf er vom Hundeführer nicht gehindert werden, um das selbstständige Arbeiten des Aussies nicht frühzeitig durch Einschränkungen zu behindern. Manche glauben, dass der Hund dann in Balance ist, wenn er genau gegenüber seinem Herrn arbeitet. Ein Aussie ist aber nur dann in Balance, wenn er zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, um Ausbruchsversuche der einzelnen Tiere zu verhindern und nur so großen Druck auf die Herde ausübt, dass diese ausreichend schnell vorwärtsgeht. Vom Aussie wird erwartet, dass er seine Arbeitsweise und sein Tempo den Eigenschaften der zu treibenden Herde anpasst, d.h. widerspenstige Tiere (z.B. Rinder) dürfen und müssen härter angepackt werden, jüngere und kleinere Tiere (z.B. Enten) müssen vorsichtig vorwärtsgetrieben werden.

Man sollte den jungen Aussie ermutigen, sooft wie möglich selbst zu denken. Ein gutes Beispiel dafür ist das Ausbrechen eines Tieres an der Spitze der Herde. Der Instinkt des Aussies veranlasst ihn dazu, das Tier wieder zurückzubringen. Wenn man hier eingreift und versucht, das zu unterdrücken, behindert man die natürlichen Hüteinstinkte des Aussies, weil man ihm nicht erlaubt, selbst zu denken. Das Resultat wäre ein "mechanischer" Aussie.

Wer nun Interesse am Hüten gefunden hat, sollte es auf jeden Fall mit seinem Aussie einmal versuchen. Es ist immer wieder schön zuzusehen, wie die Hunde in dieser ihnen ureigensten Aufgabe brillieren und ihre ererbten Instinkte in der Form einsetzen, für die sie eigentlich gezüchtet wurden.

 
Österreichischer Kynologenverband Australian Shepherds of Austria